Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Mittwoch, 21. März, 18.00 Uhr und 20.30 Uhr

USA 2017; Regie: Martin McDonagh; Darsteller: Frances McDormand, Woody Harrelson, Peter Dinklage, Sam Rockwell, John Hawkes; FSK: ab 12; 115 Minuten

Seit sieben Monaten ist Mildred Hayes‘ Tochter Angela tot. Sie wurde ganz in der Nähe ihres Zuhauses in der kleinen Gemeinde Ebbing in Missouri vergewaltigt und ermordet. Die Mutter ist noch immer genau so verletzt und wütend wie am ersten Tag – und die örtliche Polizei hat ihrer Meinung nach kaum einen Finger gerührt, um den Mörder zu finden. Nun beschließt die trauernde Mutter, das nicht länger schweigend hinzunehmen. Sie mietet drei Werbetafeln am Ortsausgang und lässt dort eine deutliche Kritik an Sheriff Bill Willoughby anbringen. Das bleibt nicht ohne Folgen und verändert das Leben vieler Einwohner von Ebbing.

Viele der Figuren, die Martin McDonagh in Three Billboards aufeinanderprallen lässt, stecken voller Schmerz, Angst und Schuldgefühlen, so dass man in den ersten Filmminuten sicher ist, den Anfang eines tieftraurigen und schweren Dramas mitzuerleben. Außerdem glaubt man als Betrachter schon nach der ersten Viertelstunde ziemlich genau über die Figuren Bescheid zu wissen, denn die Charaktere – die wütende Mutter, der desinteressierte Sheriff, der tumbe Redneck-Cop – werden mit messerscharfer Präzision umrissen. Doch diese vermeintliche, fast tragische Eindeutigkeit täuscht, denn der Regisseur und Autor versetzt seine bittere Story nämlich alsbald mit kleinen Momenten des Humors, die der drückenden Last der düsteren Themen nicht nur einen Hauch Leichtigkeit entgegensetzen, sondern auch den Figuren neue Facetten verleihen. Geradezu genüsslich führt McDonagh seinem Publikum nun vor, wie falsch es mit seinen ersten Eindrücken gelegen hat.

Bei den Academy Awards 2018 wurden Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin und Sam Rockwell als bester Nebendarsteller mit je einem Oscar ausgezeichnet.

Körper und Seele

Mittwoch, 14. März, 18.00 Uhr und 20.30 Uhr

Ungarn 2017; Regie: Ildikó Enyedi; Darsteller: Alexandra Borbély, Géza Morcsányi, Réka Tenki, Zoltán Schneider, Ervin Nagy; FSK: ab 12; 116 Minuten

Der Film spielt an einem Ort, auf den man als Inspiration für eine solch poetisch-surreale Liebesgeschichte wohl als allerletztes kommen würde, nämlich in einem Schlachthaus in Budapest. Als die autistische Mária dort ihren Job als Qualitätskontrolleurin antritt, wird sie von den meisten Kollegen gemieden, nur zu dem halbseitig gelähmten Finanzchef Endre scheint sie ein besonderes Verhältnis aufzubauen. Nach dem Diebstahl eines libidosteigernden Präparats für die Rinderzüchtung müssen alle Angestellten einen psychologischen Test über sich ergehen lassen – mit einem überraschenden Ergebnis: Offenbar träumen Mária und Endre jede Nacht unabhängig voneinander denselben Traum, in dem sie sich als Hirsche in einem verschneiten Wald begegnen… .

Diese Traum-Seelenverwandtschaft hätte leicht in magisch-realistischen Kitsch abgleiten können, aber da hält Regisseurin Ildikó Enyedi mit einigen besonders krassen Szenen konsequent dagegen: Vor allem eine, in dokumentarischen Bildern festgehaltene, macht schnell klar, dass es sich bei Körper und Seele um keine ganz alltägliche Wohlfühl-Romanze handelt. Auch sonst umrahmt Enyedi ihre surreal-zärtliche Liebesgeschichte mit betont nüchtern-präzisen Beobachtungen etwa der sozialen Strukturen im Schlachtbetrieb oder der alltäglichen Korruption in Ungarn.

Fazit: Zärtlich, poetisch, berührend, dann wieder krass, kühl, schmerzhaft – Körper und Seele ist eine vielfältig widersprüchliche und gerade deshalb so spannend-berührende Liebesgeschichte und wurde auf der Berlinale als bester Film mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Die Migrantigen

Mittwoch, 7. März, 18.00 und 20.30 Uhr

Österreich 2017; Regie: Arman T. Riahi; Darsteller: Faris E. Rahoma, Aleksandar Petrovic, Doris Schretzmayer, Josef Hader, Lisa Kreuzer; FSK: ab 12; 95 Minuten

Schon lange nicht mehr nahm ein Film bekannte Vorurteile über Migranten und Asylanten derart sarkastisch und pointiert aufs Korn. Die schwungvolle Sozialkomödie kritisiert Schubladendenken, Engstirnigkeit und fehlende Toleranz.

Benny und Marko sind zwei Österreicher mit ausländischen Wurzeln. Doch sie sind vorbildlich in die Gesellschaft integriert und sogar mit Wiener Schmäh ausgestattet. Als sie sich eines Tages in einem Wiener Stadtviertel mit hohem Ausländeranteil aufhalten, werden sie von der Fernseh-Journalistin Weizenhuber angesprochen. In ihnen sieht sie die perfekten Darsteller für eine neue TV-Show, in der es um das Viertel und ihre Bewohner gehen soll. Ohne lange zu überlegen, täuschen die Freunde vor, arbeitslose Kleingangster mit Migrationshintergrund zu sein.

Anfangs geht alles gut, doch dann holt sie die Realität ein. Am Ende überschlagen sich dann die Ereignisse, wenn die Fassade immer schwieriger aufrecht zu erhalten ist – ein durch und durch abgedrehter, absolut empfehlenswerter Spaß.

Grießnockerlaffäre

Mittwoch, 21. Februar, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland 2017; Regie: Ed Herzog; Schauspieler: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Nora von Waldstätten, Eisi Gulp; FSK ab 12; 99 Minuten

In Niederkaltenkirchen ist so einiges los. Nach einer rauschenden Hochzeitsfeier wird der Polizist Franz Eberhofer von SEK-Männern geweckt. Polizeikollege Barschl wurde mit einem Messer im Rücken tot aufgefunden. Der Letzte, der mit Barschl zu tun hatte, war Franz. Nun war der Tote ausgerechnet sein direkter Vorgesetzter – und absoluter Erzfeind. Blöderweise handelt es sich bei der Mordwaffe auch noch um Franz’ Hirschfänger. Sieht also nicht gut aus für den Eberhofer!

Zusammen mit seinem Kumpel Rudi Birkenberger versucht Franz den Fall aufzuklären. Franz lebt bei Oma und Vater und tröstet sich über den Frust, den ihm das Polizistendasein im heimatlichen Dorf bereitet, am liebsten am reich gedeckten Küchentisch. Unerwartet taucht Omas Jugendliebe Paul auf und breitet sich im Haus aus. Wegen Paul ändert die Oma ihre hoch geschätzten Kochgewohnheiten: Weil ihre Jugendliebe nichts anderes verträgt, gibt es nur noch Grießnockerlsuppe.

Die Krimikomödie steht in der Tradition der Provinzkrimis aus dem niederbayerischen Niederkaltenkirchen, die 2013 mit Dampfnudelblues begonnen wurde. Der inzwischen vierte Teil der Franz-Eberhofer-Krimis von Ed Herzog ist wiederum in der Hauptrolle mit Sebastian Bezzel besetzt, der auch als Kommissar aus dem Konstanzer Tatort bekannt ist.

Mr. Long

Mittwoch, 14. Februar, 18.00 und 20.30 Uhr

Japan/Hongkong/Taiwan 2017; Regie: SABU; Darsteller: Chen Chang, Shô Aoyagi, Yiti Yao, Runyin Bai, Masashi Arifuku, Taro Suwa, Ritsuko Okusa; FSK: ab 16; 129 Minuten

Nach einem gescheiterten Mordanschlag sitzt der taiwanesische Profikiller Mr. Long in der japanischen Hauptstadt Tokio fest. Er ist verwundet und wird gesucht. Und weil er die Sprache nicht versteht, ist er vollkommen auf sich selbst gestellt – da lernt er den kleinen Jungen Jun kennen.

Bei Jun und dessen drogensüchtiger Mutter kann sich Mr. Long verstecken, bis das nächste Schiff nach Taiwan geht. Doch Jun und den Nachbarn bleibt Mr. Longs besonderes Talent nicht lange verborgen. Denn der Killer ist darüber hinaus ein einfach vortrefflicher Koch. Schon bald schenken ihm die Anwohner eine kleine Garküche. Während Mr. Long vom Ausstieg träumt, haben seine Widersacher die Spur aufgenommen.

Die sarkastische Geschichte um einen schweigsamen Killer, der sich zum gefeierten Koch mausert, lief auf der Berlinale und begeisterte die Kritiker.

Alles gut

Mittwoch, 7. Februar, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland 2016; Regie, Drehbuch, Kamera und Ton: Pia Lenz; Dokumentation; FSK: 0; 99 Minuten

Djaner ist acht Jahre alt. Mit Mutter und Bruder kommt der Roma-Junge im Herbst 2015 aus Mazedonien nach Deutschland. In Hamburg darf er zur Schule gehen und Deutsch lernen. Seine Klassenlehrerin, die Mitschüler und ihre Eltern helfen ihm. Er will dazugehören. Aber was wird aus Djaner, als die Familie von der Abschiebung bedroht ist und sich vor der Polizei verstecken muss? Für Adel, den Vater der elfjährigen Ghofran, geht ein Traum in Erfüllung, als seine Frau und die vier Kinder endlich aus Syrien nachkommen. Nun warten die großen Herausforderungen des wirklichen Ankommens auf die Familie: Adel muss eine Wohnung für alle finden. Ghofran trifft in ihrer neuen Schule auf Mädchen, die alles dürfen: Fahrradfahren, sich schminken – neue Möglichkeiten, die das junge Mädchen zunächst strikt ablehnt. Sie will akzeptiert werden, ohne die eigene Identität zu verlieren.

Am Beispiel der beiden Kinder und ihrer Familien erzählt Alles Gut von den kleinen und den großen Hürden, die vor Geflüchteten liegen, wenn sie in Deutschland leben möchten. Der Film nähert sich den entscheidenden Konflikten, die es zu lösen gilt, damit Integration funktionieren kann. Regisseurin Pia Lenz hat die Familien in Hamburg über ein Jahr lang mit ihrer Kamera begleitet. Produziert wurde der Film von Hauke Wendler und Carsten Rau, den Machern des Erfolgsfilms Willkommen auf Deutsch, der einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme des Jahres 2015 war.

CINEMA PARADISO zeigt im Rahmen der Woche für Demokratie diesen Film in Zusammenarbeit mit dem DGB Kraichgau und dem Flüchtlingsrat Baden-Württemberg. Wir laden alle Zuschauer nach dem Film ein zur Diskussion mit Seán McGinley, dem Geschäftsführer des Flüchtlingsrats.

Baby Driver

Mittwoch, 31. Januar, 18.00 und 20.30 Uhr

GB/USA 2017; Regie: Edgar Wright; Darsteller: Ansel Elgort, Lily James, Kevin Spacey, Jamie Foxx u.a.; FSK: ab 16; 113 Minuten

Von seinem jugendlichen Aussehen und seinen leicht autistisch anmutenden Marotten lassen sich viele seiner harten Gangster-Kollegen täuschen. Wenn sie ihn fahren sehen, kippen ihre Kinnladen herunter: Baby ist trotz seiner jungen Jahre der abgebrühteste Fluchtwagenfahrer der Unterwelt von Atlanta. Sein Boss Doc hält große Stücke auf seinen besten Mann, der nach einem traumatischen Unfall in seiner Kindheit unter schwerstem Tinnitus leidet, weshalb er diesen ständig mit Musik übertönt und sich so zugleich stets den passenden Groove ins Leben holt. Im Auftrag von Doc rauben seine bei jedem Coup wechselnden Schützlinge im klassischen Stil Banken aus. Draußen wartet Baby mit laufendem Motor und gibt auf der Flucht virtuos Vollgas, um den Cops zu entkommen. Als sich Baby in die Kellnerin Deborah verliebt, beginnt er vom Ausstieg aus dem schmutzigen Geschäft zu träumen – und tatsächlich steht er ja auch nur noch für einen letzten Auftrag bei Doc in der Schuld…

Regisseur Edgar Wright bezeichnet sein Werk als „einen Film, der von Musik getrieben wird“: Der Sound ist der Treibstoff, und davon hat Baby Driver mehr als genug. Der brillant choreografierte Action-Musik-Express ist eine berauschende, bis zum Bersten mit kreativen Einfällen gefüllte kinetische Realitätsflucht in Vollspeed!

Der Sound zum Film ist nicht nur Hintergrund, sondern Bestandteil der Handlung (Wikipedia). Wer ihn nach dem Film nochmal hören will, findet den Soundtrack zum Film bei iTunes.

Helle Nächte

Mittwoch, 24. Januar, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland/Norwegen 2017; Regie: Thomas Arslan; Darsteller: Georg Friedrich, Tristan Göbel, Marie Leuenberger, Hanna Karlberg; 86 Minuten

Michael, Bauingenieur in Berlin, erhält die Nachricht vom Tod seines Vaters, der sich vor langer Zeit in die Einsamkeit des nördlichen Norwegens zurückgezogen hatte. Er überredet seinen 14jährigen Sohn Luis, zu dem er seit der Trennung von der Mutter nur sporadischen Kontakt hat, mit zum Begräbnis in den rauen Norden Norwegens zu fahren. Michael nutzt die Reise, um nach dem Begräbnis ein paar Urlaubstage mit Luis in dieser abgelegenen Berglandschaft zu verbringen. Doch diese erste gemeinsame Reise gestaltet sich schwieriger als erwartet. Der tägliche Umgang miteinander ist für beide ungewohnt, und Luis’ Argwohn gegen den Vater, der weggegangen ist, sitzt tief. Es gibt da Fragen, die drängen. Enttäuschungen, die gesühnt werden müssen. Erfahrungen, die nachgeholt werden wollen. Als Michael die Hinterlassenschaft seines eigenen Vaters ordnet, findet er dessen letzte Arbeit, ein Buch über Tunnelbau. Vielleicht kann auch er etwas an seinen Sohn Luis weitergeben. In diesen längsten Tagen des Sommers, an denen es nie wirklich dunkel wird, setzt Michael alles daran, den Kreislauf der Wiederholungen zu durchbrechen…

Hauptdarsteller Georg Friedrich gewann auf der Berlinale 2017 den Silbernen Bären als bester Darsteller.

Der Hochmut des Himmels (El soborno del cielo)

Mittwoch, 17. Januar, 18.00 und 20.30 Uhr

Kolumbien 2016; Regie: Lisandro Duque Naranjo; Darsteller: Jaime Correa, Milady Dau, Sara Deray; 90 Minuten; OmU

Elías möchte die Leiche seines Bruders Aimer auf dem Dorffriedhof der katholischen Kirche begraben, doch der erzkonservative Pfarrer stellt sich quer: Einen Selbstmörder wird er auf dem Territorium seiner Kirche nicht dulden. Als die Familie Aimer dennoch auf dem katholischen Friedhof vergräbt, holt der Kirchenvater zum Gegenschlag aus: Er verweigert der gesamten Dorfgemeinde die Sakramente. Keine Beichten, keine Taufen, keine Eheschließungen, bis die Leiche des frevelhaften Selbstmörders wieder vom Friedhof verschwunden ist.

Der Generalstreik des Klerikers löst in der Gemeinde das Chaos aus. Die Familie will ihren geliebten Aimer erst ausbuddeln, wenn auch alle anderen Selbstmörder auf dem Kirchenfriedhof aus ihren Gräbern geholt werden – anscheinend wimmelt es dort nur so von Sündern. Nach und nach kommen die kleinen und großen Vergehen der Dorfbewohner ans Tageslicht, und auch der Pfarrer ist scheinheiliger als zunächst angenommen. Die Komödie spricht im gläubigen Kolumbien ein sensibles Thema an, wobei sie sich nicht zu der Einfachheit verleiten lässt, kirchliche Weltanschauungen als überholt und lächerlich zu diffamieren. Eher wird der Zuschauer zum präzisen Beobachter des Alltags der überspitzt konzipierten Kleriker-Figur, der durch ihre Vergehen etwas zutiefst Menschliches verliehen wird.

Aus dem Nichts

Mittwoch, 10. Januar, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland 2017; Regie: Fatih Akin; Darsteller: Diane Kruger, Dennis Moschitto, Ulrich Tukur, Numan Acar; Prädikat: besonders wertvoll; FSK: ab 12; 106 Minuten

„Ich komme gleich zurück“, sagt die Frau, die ihr Fahrrad unabgeschlossen vor dem Büro abstellt, in dem Katja gerade ihren Sohn bei ihrem Mann Nuri abgegeben hat. Noch denkt sich Katja nichts dabei, doch als sie am Abend zurückkommt und die Polizeiabsperrung sieht, ist ihr alles klar. Mann und Kind sind bei einem Anschlag getötet worden. Doch während für Katja die Täterin feststeht, glaubt die Polizei zunächst an einen Bandenkrieg – immerhin war Katjas Mann Türke und früher selbst in halbseidene Machenschaften verwickelt.
Der neue Film von Fatih Akin zieht den Zuschauer durch seine dichte Erzählweise einer erschütternden und hochaktuellen Geschichte von der ersten Minute an in seinen Bann. Mit Diane Kruger hat Akin darüber hinaus eine Hauptdarstellerin gefunden, die durch ihr ausdrucksvolles Spiel das Maximum an Nähe für Kamera und Publikum zulässt und somit ganz tief in die traumatisierte Seele der Figur blicken lässt.
Für ihre überragende Darstellung einer Frau, deren Angehörige Opfer eines Anschlages werden, erhielt Diane Kruger bei den Filmfestspielen in Cannes 2017 die Goldene Palme als Beste Darstellerin.