Der seidene Faden

Mittwoch, 17. Oktober, 18.00 und 20.30 Uhr

USA 2017; Regie und Drehbuch: Paul Thomas Anderson; Darsteller*innen: Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville, Richard Graham; FSK: ab 12; 131 Minuten

London in den 1950er Jahren: Reynolds Woodcock ist ein berühmter Damenschneider und begehrter Junggeselle. Gemeinsam mit seiner Schwester Cyril steht er im Zentrum der britischen Modewelt, ihre Marke The House of Woodcock wird vom Adel ebenso geschätzt wie von Filmstars und High-Society-Größen. In Liebesdingen hält sich Reynolds für verflucht und flüchtet sich von einer Affäre in die nächste. Doch dann tritt Alma in sein Leben, eine willensstarke Frau, die nicht nur seine Geliebte wird, sondern auch seine größte Inspiration. Aber Alma will nicht nur der Ton in den Händen des großen Künstlers sein, sie stellt Reynolds vor die Herausforderung, einen anderen Menschen mit einer starken Persönlichkeit an seiner Seite zu akzeptieren. Das sorgsam kontrollierte Leben des Designers droht aus den Fugen zu geraten. Fazit von Cinema.de: Eine zerstörerische Romanze in Bildern von erlesener Schönheit. Das ist Kino für die Ewigkeit.

Daniel Day-Lewis hatte angekündigt, dass er aus privaten Gründen im Alter von nur 60 Jahren seine beispiellose Karriere beendet. Dieser Film ist sein Abschiedsgeschenk und zeigt beispielhaft, wie begnadet gut der in London geborenen Ire ist (filmstarts.de).

Eleanor & Colette

Mittwoch, 10. Oktober, 18.00 und 20.30 Uhr

USA/D/Belgien 2017; Regie: Bille August; Darsteller*innen: Helena Bonham Carter, Hilary Swank, Johan Heldenbergh, Jeffrey Tambor, Cynthia Hoppenfeld; FSK: ab 12; 115 Minuten

Eleanor Riese leidet an paranoider Schizophrenie und weiß, dass sie nur mit Medikamenten ein eigenständiges Leben führen kann. Als sich bei einem freiwilligen Klinikaufenthalt starke Nebenwirkungen bemerkbar machen und ihre Ärzte Eleanors Bitten ignorieren, ihre Medikation mitzubestimmen, heuert sie die Anwältin Colette Hughes an, um genau das durchzusetzen. In einem so gut wie aussichtslosen Verfahren stellen sich die beiden gegen ein übermächtiges Establishment aus Pharmaindustrie und Ärzten, schaffen es aber, ihren Fall bis zum obersten Gerichtshof zu bringen. Sie vereint ein gemeinsamer Kampf um Selbstbestimmung, mit dem die ebenso exzentrische wie liebenswerte Eleanor das Leben der verbissenen Colette gehörig durcheinanderbringt und der sie zu mehr macht, als zu Mandantin und Klientin: Sie werden Freundinnen, die sich Halt geben, voneinander lernen und gegenseitig ihr Leben verändern. CINEMA PARADISO zeigt den Film in Zusammenarbeit mit dem Bürgerkreis für psychosoziale Arbeit e. V. in Sinsheim.

Back for Good

Mittwoch, 3. Oktober, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland 2017; Regie: Mia Spengler; Darsteller*innen: Kim Riedle, Leonie Wesselow, Juliane Köhler; FSK: ab 12; Prädikat: besonders wertvoll; 90 Minuten

Angie, ein Ex-Reality-TV-Sternchen muss nach einem Drogenentzug ihre Zukunft völlig neu planen. Ohne Geld und Wohnung muss sie den für sie demütigenden Rückzug in ihr Heimatdorf antreten und wieder bei ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Kiki wohnen. Und während sie immer noch den Traum hegt, ihre Karriere als B-Promi voranzutreiben, erkennt sie schmerzhaft, dass sich da, wo sie herkommt, nichts geändert hat. Ihre Mutter ist immer noch kontroll- und herrschsüchtig, Schwester Kiki leidet an Epilepsie und wird von der Mutter wie ein rohes Ei behandelt. Das derart isolierte Mädchen versucht mit einem dilettantischen Tanzvideo Zugang zur angesagten Youtube-Community in ihrer Schule zu bekommen, was gründlich schiefgeht: die Cybermobber machen Kiki fortan das Leben zur Hölle. Angie beschließt, ihrer kleinen Schwester beizustehen und ihr dabei zu helfen, einfach auch mal Teenager sein zu dürfen.

Mia Spenglers Debütspielfilm Back for Good gelingt es von der ersten Minute an, die Milieus, zwischen denen der Film wandelt, glaubhaft darzustellen. Er zeigt die Probleme des Erdrücktwerdens und Entfliehens, die in jeder Schicht der Gesellschaft vorkommen. Einen zusätzlichen Mehrwert erhält Back for Good durch die genaue Zeichnung der Youtube-Community, in der sich die Schüler bewegen. Ohne erhobenen Zeigefinger werden Fragen nach der sozialen Toleranz gestellt und wie man mit Leuten, die anders sind, umgeht.

Wind River

Mittwoch, 26. September, 18.00 und 20.30 Uhr

USA 2016; Regie: Taylor Sheridan; Darsteller*innen: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen , Jon Bernthal , Julia Jones, Apesanahkwat, Graham Greene; FSK ab 16; 107 Minuten

Der Autor Taylor Sheridan zählt zu den aufregendsten Schreibern in Hollywood. In den letzten Jahren gab es nur wenige Filme, die mit einer solchen Wucht inszeniert wurden wie Wind River. Sheridans Regiedebüt ist furioses, extrem fesselndes und zutiefst erschütterndes Actionkino, nicht weniger als ein Meisterwerk.

Jeremy Renner spielt den Fährtenleser und Fallensteller Cory Lambert, der im Indianerreservat Wind River einen Puma jagt, der es auf das Vieh der Bauern abgesehen hat. In der tief verschneiten Landschaft stößt er tatsächlich auf eine Spur. Wenig später findet er die Leiche einer 18-jährigen Indianerin. Sie war die beste Freundin seiner Tochter, die vor drei Jahren auf ungeklärte Weise ums Leben kam. Die unerfahrene FBI-Agentin Jane Banner soll den Fall aufklären. Weil sie sich in der Gegend nicht auskennt, bittet sie den erfahrenen Jäger um Hilfe. Den wortkargen Naturburschen, der unter einer nicht verarbeiteten Familientragödie leidet, verkörpert Jeremy Renner mit Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Während sich der Zuschauer so verloren wie die FBI-Agentin fühlt, spürt man den Schmerz des traumatisierten Spurensuchers in nahezu jeder Einstellung. Intensiver und aufwühlender kann Kino nicht sein. (filmstarts.de)

Wildes Herz

Mittwoch, 12. September 2018, 18 Uhr und 20.30 Uhr

Deutschland 2017; Regie und Drehbuch: Charly Hübner, Sebastian Schultz; Darsteller*innen: „Monchi“ Gorkow, Olaf Ney, Christoph Sell, Kai Irrgang, Jacobus North, Max Bobzin, Campino, Angela Gorkow, Axel Gorkow; FSK: ab 12 Jahren; 90 Minuten

Mitreißend und voller Energie porträtiert WILDES HERZ die beliebtesten Punk-Rocker aus dem Norden „Feine Sahne Fischfilet“. Doch Charlie Hübners Regie-Debüt ist mehr als eine Musikdoku für die Fans. Der Film zeigt den alarmierenden Rechtsruck der letzten Jahre in Mecklenburg-Vorpommern und wie sich die Band um den sympathischen Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow mit Neonazi-Gewalt, AfD-Wahlerfolgen und perspektivlosen Jugendlichen auseinandersetzt, indem er nicht nur musikalische Präsenz zeigt. Dass es immer noch politische Jugendkultur gibt, die etwas bewegen kann und linker Kampfgeist und Lokalpatriotismus kein Widerspruch sein müssen, macht Hübners Film auf unterhaltsame Weise deutlich. Die politische Botschaft, die „Monchi“ auch nach den Konzerten weiter trägt, ist vielleicht nicht die Form der Politik, die sich das bürgerlich-intellektuelle Publikum vorstellt, wenn es die halbnackten feiernden Jugendlichen sieht. Aber „Monchi“ holt die Jugendlichen dort ab wo sie stehen und zeigt ihnen gleichzeitig, dass es auch anders geht. „Gehen oder Bleiben“ heißt nicht von ungefähr eine der Platten von „Feine Sahne Fischfilet“, die zur Auseinandersetzung mit der vermeintlichen Perspektivlosigkeit anregt.

Beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm erhielt der Film 2017 vier Preise und damit die meisten Auszeichnungen des Festivals, es sind der Förderpreis der DEFA-STIFTUNG, der Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, der Preis der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Gedanken-Aufschluss-Preis einer Jury aus jugendlichen und jungen erwachsenen Strafgefangenen.

Arthur & Claire

Mittwoch, 5. September, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland/Österreich/NL 2017; Regie: Miguel Alexandre; Darsteller*innen: Josef Hader, Hannah Hoekstra, Rainer Block, Guy Clemens; FSK ab 12 ; 98 Minuten

Arthur Schlesinger möchte nicht warten, bis der Krebs ihn dahinrafft. Ein Freund verschafft ihm einen Termin zur Sterbehilfe in Amsterdam. Mit dem Leben hat Arthur längst abgeschlossen, nur einen Abschiedsbrief an seinen Sohn möchte er während der letzten Nacht im Hotel noch schreiben. Dabei stört ihn Claire, die im Nebenzimmer zum Suizidversuch ihre Death Metal-Musik höllisch laut aufdreht. Als der Kranke sie nach der Vereitelung ihres Abendplans nicht alleine lassen will, zieht sie widerstrebend mit ihm durch die niederländische Nacht.

Josef Hader spielt den Lebensmüden mit gewohnt dreister, schwarzhumoriger Schnauze. Arthur hat sich damit abgefunden, nur noch einen Tag zu leben, und so hat er eben auch gar nichts davon, nett zu sein oder auszurasten.

Die 2017 bei der Berlinale als Shooting Star ausgezeichnete Hannah Hoekstra bildet den Gegenpol zu Hader: Sie agiert impulsiv und destruktiv. Claires geplantes Scheiden aus dem Leben gleicht so mehr einer stürmischen Flucht als einem Abschluss. Doch Hoekstras Performance entnimmt man auch, dass Claire Wärme und Mitgefühl noch nicht entsagt hat, sie versteht es, zu leben und stellt schließlich genau deswegen die perfekte Ergänzung zu Arthur dar.

Call me by your name

Mittwoch, 29. August 2018, 18 Uhr und 20.30 Uhr

Italien/Frankreich 2017; Regie: Luca Guadagnino; Darsteller*innen: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg, Amira Casar; FSK: ab 12; 132 Minuten

Mit seinem neuen Film CALL ME BY YOUR NAME bringt Luca Guadagnino eine sinnlich-transzendentale Geschichte über die erste Liebe auf die große Leinwand, basierend auf André Acimans gefeiertem Roman.

Ein heißer, sonnendurchtränkter Sommer auf dem norditalienischen Landsitz von Elios Eltern im Jahr 1983. Der 17-Jährige hört Musik und liest Bücher, geht schwimmen und langweilt sich, bis eines Tages der neue Assistent seines Vaters aus Amerika in der großzügigen Villa ankommt. Der charmante Oliver, der wie Elio jüdische Wurzeln hat, ist jung, selbstbewusst und gutaussehend. Anfangs reagiert Elio eher kühl und abwehrend auf ihn, doch schon bald unternehmen die beiden öfter Ausflüge miteinander, und Elio beginnt zögerliche Annäherungsversuche, die zunehmend intimer werden – auch wenn man, wie Oliver sagt, „über solche Dinge nicht sprechen kann“. Die Anziehung zwischen den beiden wird im Laufe des kurzen Sommers immer intensiver.

Mit der Verfilmung des E. M. Forster-Romans „Maurice“ gelang James Ivory vor 30 Jahren ein Klassiker des Queer-Kinos. Das dürfte nun auch mit dieser Adaption des Romans von André Aciman gelingen. Mit mittlerweile fast 90 Jahren beschränkte sich Ivory diesmal als Ko-Autor auf das Drehbuch, die Regie übernahm Luca Guadagnino, der 2015 mit dem „Swimmingpool“- Remake „A Bigger Splash“ beim Filmfest Venedig auf sich aufmerksam machte.

Das Mädchen aus dem Norden

Mittwoch, 19. September, 18.00 und 20.30 Uhr

Schweden 2016; Regie: Amanda Kernell; Darsteller*innen: Lene Cecilia Sparrok, Hanna Alström, Malin Crépin; FSK: ab 6; 113 Minuten

Die 14-jährige Elle Marja stammt aus dem indigenen Volk der Samen und lebt im Schweden der 1930er Jahre. Ihr größter Traum ist es, Rentierzüchterin zu werden, doch vorerst besucht sie gemeinsam mit ihrer Schwester ein Internat in Lappland. Weil ihr Volk sich tagtäglich Ausgrenzungen und Vorurteilen ausgesetzt sieht, tut sie alles, um die Anerkennung ihrer Lehrerin zu gewinnen. So hofft sie, ihrem Traum von einem selbstbestimmten Leben näher zu kommen. Doch dann wird an ihrer Schule eine „rassenbiologische“ Untersuchung durchgeführt, was für Elle natürlich hochgradig erniedrigend ist. Sie entscheidet sich zu einem radikalen Schritt, verlässt ihre Familie und zieht in die Stadt, um endlich auf eigenen Beinen zu stehen und dort ein neues Leben zu beginnen…

Die schwedische Regisseurin Amanda Kernell ist Tochter eines samischen Vaters und einer schwedischen Mutter. Aus der Sicht der alt gewordenen Elle Marja zeigt sie, was erzwungene Assimilation in einem Menschen anrichtet. Die ist zwar tatsächlich Lehrerin geworden, hat aber die Selbstverleugnung so verinnerlicht, dass sie noch immer mit Abscheu auf ihre Herkunftskultur blickt. Erst als alte Frau kehrt sie zurück, um der Beerdigung ihrer Schwester beizuwohnen.

Das schweigende Klassenzimmer

Mittwoch, 22. August, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland 2018; Regie: Lars Kraume; Darsteller*innen: Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Isaiah Michalski; FSK: 12; Prädikat: besonders wertvoll; 111 Minuten

1956: Bei einem Kinobesuch in Westberlin sehen die Abiturienten Theo und Kurt in der Wochenschau dramatische Bilder vom Aufstand der Ungarn in Budapest. Zurück in Stalinstadt entsteht spontan die Idee im Unterricht eine solidarische Schweigeminute für die Opfer des Aufstands abzuhalten. Doch die Geste zieht viel weitere Kreise als erwartet – die Schüler geraten in die politischen Mühlen der noch jungen DDR. Der Volksbildungsminister verurteilt die Aktion als eindeutig konterrevolutionären Akt und verlangt von den Schülern innerhalb einer Woche den Rädelsführer zu benennen. Doch die Schüler halten zusammen und werden damit vor eine Entscheidung gestellt, die ihr Leben für immer verändert…

Lars Kraumes Film basiert auf einer wahren Geschichte. Im Zentrum der Handlung stehen die Schüler der Abiturklasse. Dabei wählt Kraume Figuren, die stellvertretend für die verschiedenen Positionen und politischen Überzeugungen der damaligen Zeit zu sehen sind. Obwohl die Geschichte im Damals verankert ist, vermittelt sie auch wichtige Botschaften für das Hier und Jetzt und zeigt (…) die Verantwortung des Einzelnen innerhalb einer Gemeinschaft. (FBW)

The Florida Project

Mittwoch, 15. August, 18.00 und 20.30 Uhr

USA 2017; Regie: Sean Baker; Darsteller*innen: Willem Dafoe, Brooklynn Prince, Valeria Cotto, Bria Vinaite, Christopher Rivera; FSK: ab 12; 115 Minuten

Orlando, Florida: Moonee ist erst sechs Jahre alt und hat bereits ein höllisches Temperament. Nur wenige Meilen entfernt vom Eingang zu Disneyworld wächst sie in The Magic Castle Motel an einem vielbefahrenen Highway auf. Ihre frühreifen Streiche scheinen ihre sehr junge Mutter Halley kaum zu beunruhigen. Da, wie bei allen Bewohnern des Motels, ihre finanzielle Lage nicht gerade rosig ist, ist sie gezwungen, auf mehr oder weniger anständige Weise ihre wilde Tochter und sich selbst durchs Leben zu hieven. Moonee und ihre gleichaltrigen Freunde erklären derweil unter den wachsamen Augen des Motelmanagers Bobby (Willem Dafoe) die Welt um sich herum zu einem großen Abenteuerspielplatz…

Sean Baker beschreibt seinen Film als eine moderne Version der Kleinen Strolche – eine Bande von Kindern, die während der großen Depression in prekären Verhältnissen aufwachsen. Er drehte den Film mit Laien und Schauspieldebütanten, und Kameramann Alexis Zabé sorgt für eine besondere Bildsprache und Ästhetik. The Florida Project ist ein mitreißender Film über das Erwachsenwerden und eine ganz besondere Mutter-Tochter-Beziehung. Ein glücklicher Film über eine unschöne Welt im heutigen Amerika.