Die andere Seite der Hoffnung

Mittwoch, 27. September, 18.00 und 20.30 Uhr

Finnland/Deutschland 2017; Regie: Aki Kaurismäki; Darsteller: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Ilkka Koivula; FSK: ab 6; 100 Minuten

Der syrische Mechaniker Khaled Ali ist nach dem Dauerbombardement seiner Heimatstadt Aleppo auf der Flucht durch halb Europa. In der finnische Hauptstadt Helsinki stellt er einen Antrag auf Asyl, der postwendend abgelehnt wird. Khaled bleibt als Illegaler in Finnland und taucht unter. Er hat Glück, dass ihn der Neu-Restaurantbesitzer Wikström aufnimmt. Der hat seine trinkende Frau verlassen, um seinerseits einen Neuanfang zu versuchen – genau das ermöglicht er nun auch Khaled, dem er einen Job in seinem Restaurant gibt und gefälschte Aufenthaltspapiere besorgt. Doch die finnische Realität holt den Flüchtling und seinen Helfer ein…

Regisseur Aki Kaurismäki setzt seinen mit Le Havre eingeschlagenen Weg in die politische und soziale Wirklichkeit fort, schüttelt den störrischen Pessimismus, der fast schon zu seinem Markenzeichen geworden ist, noch weiter ab und präsentiert uns mit Die andere Seite der Hoffnung eine staubtrockene und höchst unterhaltsame Flüchtlingskomödie. Der Film ist ein gewohnt wortkarges, aber umso nachhaltigeres Plädoyer für die Menschlichkeit und eine beißende Anklage gegen Engstirnigkeit und Bürokratie.

The Salesman

Mittwoch, 20. September, 18.00 und 20.30 Uhr

Iran/Frankreich 2016; Regie: Asghar Farhadi; Darsteller: Shahab Hosseini, Taraneh Alidoosti, Babak Karimi, Mina Sadati; FSK ab 12; 123 Minuten

In ihrer alten Wohnung können der Lehrer Emad und seine Frau Rana nicht mehr wohnen. Sie müssen umziehen, und zum Glück kann ihnen ein Kollege aus ihrer Theatergruppe eine neue Bleibe verschaffen. Doch dort wird Rana eines Abends von einem Mann überfallen und verletzt zurückgelassen. Denn was das Paar nicht wusste: Ihre neue Wohnung gehörte zuvor einer Frau mit zweifelhaftem Ruf, von deren Wegzug wohl nicht alle ihre Besucher etwas zu wissen schienen. Während sich Rana verängstigt und traumatisiert zurückzieht, macht sich Emad wutentbrannt auf die Suche nach dem Unbekannten. So merken beide zunächst nicht, dass ihre Beziehung an den Folgen des Überfalls zu zerbrechen droht… .

Der iranische Regisseur Asghar Fahrhadi ist für seine präzise beobachteten Beziehungsstudien bekannt. Sein Drama Nader und Simin wurde als erster iranischer Film 2012 mit dem Oscar ausgezeichnet. In The Salesman lässt Asghar Realität und Fiktion verschwimmen, indem er die Tragödie der Eheleute mit dem Theaterstück „Der Tod eines Handlungsreisenden“ verknüpft, das von einer Lebenslüge handelt, die über die Jahre eine Familie zerstört. 2016 wurde sein Film auf dem Filmfestival in Cannes für das Beste Drehbuch und Shahab Hosseini als Bester Schauspieler ausgezeichnet.

Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Mittwoch, 13. September, 18.00 und 20.30 Uhr

USA 2016; Regie: Theodore Melfi; SchauspielerInnen: Octavia Spencer, Taraji P. Henson, Janelle Monae, Kevin Kostner u. a.; FSK 0; 127 Minuten

In den 1950ern und 60ern lieferten sich die USA und die Sowjetunion ein Wettrennen: Wer der beiden Supermächte wird die erste Rakete ins All schicken? Um die mathematische Rechenleistung zu erbringen, die notwendig ist, um eine solche Mission erfolgreich umzusetzen, beschäftigte die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA seit den 1940er Jahren eine Gruppe Afroamerikanerinnen, die sich durch ihr Wissen und mathematische Fähigkeiten hervorgetan haben. Durch den Mangel an männlichen Mitarbeitern zur Zeit des 2. Weltkrieges entstand ein weiblicher Think Tank. Doch während später die Namen der Astronauten um die Welt gingen, hat kaum jemand je von Katherine Jonson, Mary Jackson und Dorothy Vaughn gehört. Hidden Figures erzählt die Geschichte dieser Frauen, die im Verborgenen arbeiteten und die US-Raumfahrer sicher ins Weltall und wieder zurück brachten.

Der Film war für drei Oscars nominiert und Taraji P. Henson wurde bei den MTV Movie Awards als Beste Heldin ausgezeichnet.

Original Copy – Verrückt nach Kino

Mittwoch, 6. September, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland 2015; Regie: Florian Heinzen-Ziob, Georg Heinzen; Mitwirkende: Sheikh Rehman, Najma Loynmoon; Dokumentarfilm; FSK: ab 6; 95 Minuten

In der indischen Metropole Mumbai wird ein altmodisches Kino betrieben, das „Alfred Talkies“ heißt. In dem alten Hindi-Filmpalast ist noch immer das Rattern der 35 mm-Filmkopien zu vernehmen, die durch Filmprojektoren gejagt werden, die bereits reif fürs Museum sind.

Das Kino wird von einem leidenschaftlichen Team am Leben gehalten: von der Chefin, die das Geschäft wegen ihres Geschlechts ursprünglich nicht übernehmen sollte, von dem Manager, der weiß, was das Publikum sehen will und von dem Filmplakatmaler, der kettenrauchend sein Atelier hinter der Leinwand betreibt. Gemeinsam kämpfen sie gegen Filmposter aus Plastik und schwindende Besucherzahlen. Ein Sieg scheint aussichtslos …

Von den ersten Bildern an, wenn ein Fahrradkurier einen Stapel von Filmbüchsen durch den hektischen abendlichen Großstadtverkehr von Mumbai bugsiert, erzählt dieser Film von der Liebe zum Kino und wie sie in heutigen Zeiten immer mehr bedroht ist. Und vom Filmplakatmaler Sheik Rehman, der unbedingt Maler werden wollte, seit er im Alter von zehn Jahren die Arbeit seines Vaters sah. Er weiß, dass seine Kunst keinen Ewigkeitswert hat. Ist nach einer Woche der Einsatz eines Films beendet, wird die Leinwand mit Beige neu grundiert, um Platz für das Bild des Nachfolgefilms zu schaffen.

Der Himmel wird warten

Mittwoch, 30. August, 18.00 und 20.30 Uhr

Frankreich 2017; Regie: Marie-Castille Mention-Schaar; Darsteller: Sandrine Bonnaire, Zinedine Soualem, Clotilde Courau, FSK: 12; Prädikat: besonders wertvoll; 105 Minuten

In Der Himmel wird warten kreuzt Mention-Schaar zwei fiktive Fallgeschichten, die sie aus vielen realen Radikalisierungs- biografien destilliert hat: Sonia, die sich in einem schwierigen Prozess vom IS löst, nachdem sie kurz vor der Ausführung eines Anschlags zu Hause festgenommen worden war. Und Mélanie, die sich beim Chatten in einen jungen Muslim verliebt, der sie mit seinen Liebesbekundungen und Heilsversprechen schleichend indoktriniert und aus ihrem bisherigen Lebens- zusammenhang herauszieht.

Der Himmel wird warten erzählt auf sensible Art ein hochaktuelles Thema. Sonia und Mélanie sind sehr unterschiedlich und doch vereint in ihrer Sehnsucht nach einem Halt, den beide im Leben vermissen. Dabei werden die Probleme der Teenager vom Film nicht heruntergespielt. Auch die Eltern werden in ihrer ganzen Hilflosigkeit und Ohnmacht gezeigt. Sie stellen sich immer wieder die Frage, was man hätte tun können, um die Katastrophe zu verhindern. Auf geschickte Weise verknüpft Marie-Castille Mention-Schaar die Geschichte einer fortschreitenden Verführung mit dem Weg zurück in die Realität und dem Begreifen der Wahrheit. Durch das Erzählen verschiedener „Stadien“ einer religiösen Radikalisierung erhält die Geschichte eine spannende dramaturgische Klammer, an deren Ende sowohl ein desillusionierendes wie auch hoffnungsvolles Ende steht. Der Himmel wird warten ist ein klug reflektierter und gesellschaftlich hochrelevanter Film, der für den Umgang mit einem Problem sensibilisiert, welches auch durch die Verbreitung im Rahmen sozialer Netzwerke immer stärker um sich greift.

Ein Dorf sieht schwarz

Mittwoch, 23. August, 18.00 und 20.30 Uhr

Frankreich 2016; Regie: Julien Rambaldi; Darsteller: Marc Zingam, Aissa Maiga, Bayron Lebli, Medina Diarra; FSK: ab 6; 96 Minuten

Frankreich 1975: Seyolo Zantoko ist Arzt und stammt aus dem Kongo. Als er einen Job in einem kleinen Kaff in Nordfrankreich angeboten bekommt, beschließt er, mit seiner Familie umzuziehen. Sie erwarten Pariser Stadtleben, treffen aber auf Dorfbewohner, die zum ersten Mal einem afrikanischen Arzt begegnen und alles tun, um ihm das Leben schwer zu machen. Aber wer mutig seine Heimat verlassen hat und einen Neuanfang in einem fremden Land wagt, lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Lachen und Weinen und ein Zusammenprall der Kulturen, wie er heftiger nicht sein kann: Regisseur Rambaldi verbindet in seinem Film alle diese Zutaten zu einem fulminanten Mix aus bewegender und leichtfüßiger Komödie, die auf Herz und Hirn zielt.