Manchester by the Sea

Mittwoch, 28, Juni, 18.00 und 20.30 Uhr

USA 2016; Regie: Kenneth Lonergan; DarstellerInnen: Casey Affleck, Michelle Williams, Kara Hayward, Lucas Hedges u.a.; Prädikat: besonders wertvoll; FSK: ab 12; 135 Minuten

Der einsame und schweigsame Lee Chandler ist als Handwerker für einen Bostoner Wohnblock zuständig. Durch eine erschütternde Nachricht wird er aus dem Alltag gerissen: Sein Bruder Joe ist plötzlich gestorben. Nach dem überraschenden Tod soll sich Lee um Joes 16-jährigen Sohn Patrick kümmern. Dafür zieht er von Boston zurück in seine Heimat, die Hafenstadt Manchester an der amerikanischen Ostküste. Doch muss er dort nicht nur Ersatzvater für einen Teenager sein, ohne so was jemals zuvor gemacht zu haben, sondern er trifft auch seine Ex-Frau Randi wieder, mit der er früher chaotisch, aber glücklich zusammenlebte. Die alten Wunden beginnen, erneut zu schmerzen und Lee fängt an, sich zu fragen, was es braucht, um mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen, und was es braucht, um eine gesunde Zukunft zu beginnen… . Der Film ist ein sattes Melodram mit viel Herz und Schmerz aber, intelligenten Dialogen und Humor. Humor, der den Film vor dem eigenen Etikett des „Depri-Films“ rettet. Manchester by the Sea ist auch ein Lernprozess für den Zuschauer: Ein Schmerz, wie der von Lee, lässt sich nicht lindern, trösten oder wegnehmen – man kann ihn nur respektieren.

Bei den Academy-Awards 2017 gab es den den Oscar für das beste Originaldrehbuch für Regisseur Kenneth Lonergan und Casey Affleck gewann den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Pressetext und Jury-Begründung der Filmbewertungsstelle

Die Blumen von gestern

Mittwoch, 21. Juni, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland 2016, Drehbuch und Regie: Chris Kraus; DarstellerInnen: Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Adele Haenel; Prädikat: besonders wertvoll; FSK: ab 12; 125 Minuten

Historiker und Holocaust-Forscher Totila Blumen, kurz Toto, steckt in einer handfesten Midlife-Crisis. Sowohl in seinem Job im Archiv der Zentralen Stelle zur Aufklärung national-sozialistischer Verbrechen als auch in seiner Ehe mit seiner gestressten Frau Hannah herrscht lähmender Stillstand. Mitten in den schleppenden Vorbereitungen zu einem Auschwitz-Kongress, den seine Kollegen zum reißerischen Event verhunzen wollen, bindet ihm sein Vorgesetzter und Rivale Balthasar eine kapriziöse Studentin aus Frankreich ans Bein.

Lars Eidinger spielt den Juniorprofessor zunächst trocken und bierernst. Doch sein betroffener und oftmals waidwunder Blick, die Verzweiflung in seiner Stimme und die Hilflosigkeit seiner Gesten offenbaren jemanden, der innerlich zerrissen ist und nicht nur ein Suchender in Sachen Geschichte, sondern vor allem nach sich selbst ist. Dabei helfen kann ihm nur eine Figur wie Zazie, die von Adele Haenel mit Verve und Esprit gespielt wird. Zazie geht unter die Haut, ist anstrengend und in ihrer Exaltiertheit oftmals unerträglich. Und doch ist sie ein zartes, fragiles und fast schon irreales Geschöpf, dessen Faszination sich nicht nur Totila nicht lange entziehen kann. Der Zuschauer folgt beiden Figuren auf ihrem jeweiligen Weg und spürt mit ihnen ein großes persönliches Geheimnis auf, das sie verbindet und mehr über die Tragik der Geschichte erzählt als jede steife Abhandlung in einem Lehrbuch. Mit »Die Blumen von gestern« ist Chris Kraus ein meisterlicher Film gelungen, der stilsicher zwischen Komik und Tragik balanciert, ohne albern oder kitschig zu sein. Aberwitzig, anspruchsvoll, genial. (FBW)

Der Film wurde mit dem Prädikat besonders wertvoll ausgezeichnet (Pressetext und Jury-Begründung)

Right Now, Wrong Then

Mittwoch, 14. Juni, 18.00 und 20.30 Uhr

Südkorea 2015; Original-Titel: JI-GEUM-EUN-MAT-GO-GEU-DDAE-NEUN-TEUL-LI-DA; Regie: Sang-soo Hong; Darsteller: Jae-yeong Jeong, Min-hee Kim, Yeo-jeong Yoon, Ju-bong Gi, Hwa-Jeong Choi, Joon-sang Yoo, Young-hwa Seo; FSK: o. A.; 121 Minuten; OmU

»Es hat nicht sollen sein.« Was retrospektiv über viele Beziehungen gesagt wird, die scheitern bevor sie richtig begonnen haben, trifft auch auf das Verhältnis Ham Chun-su und Yoon Hee-jung zu. Er ist Regisseur und wegen einer Filmvorführung in Suwon. Dummerweise reist er einen Tag zu früh an und lernt zufällig die Künstlerin Hee-jung kennen. Die beiden verbringen den Tag zusammen, besuchen ihr Atelier, essen Sushi, trinken Soju und gehen am Abend mit Freundinnen aus. So kommen sie einander näher, und doch geht am Ende alles schief. Doch was genau läuft verkehrt? Dieser Frage geht Regisseur Hong Sang-soo in seiner verspielten, humorvollen Romanze nach – und lässt sie mitten im Film einfach noch einmal beginnen, unter leicht veränderten Voraussetzungen…

Es ist kaum zu glauben, doch »RIGHT NOW, WRONG THEN«, der im vergangenen Jahr beim Festival in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet wurde, ist tatsächlich der erste Film von Hong Sang-soo, der von einem Verleih in Deutschland regulär ins Kino gebracht wird. Dabei hat der in Seoul geborene Regisseur inzwischen bereits 22 Filme gemacht. Regelmäßigen Festivalbesuchern und Fans asiatischer Kinematographien ist Hongs Werk denn auch schon lange kein Geheimnis mehr, seine Arbeiten werden auf allen renommierten Filmfesten der Welt gezeigt.

Auszeichunungen
Locarno 2015: Goldener Leopard und Bester Hauptdarsteller

Alles was kommt (L´avenir)

Mittwoch, 7. Juni, 18.00 und 20.30 Uhr

Deutschland/Frankreich 2016; Regie: Mia Hansen-Løve; Darsteller: Isabelle Huppert, Roman Kolinka, Edith Scob; Prädikat: wertvoll; FSK: o. A.; 98 Minuten

Eben noch gut eingerichtet in einem komfortablen und produktiven Leben sieht sich Nathalie, die in Paris Philosophie unterrichtet, mit Anfang 50 plötzlich mit völlig neuen Lebensumständen konfrontiert. Ihr Mann verlässt sie unvermittelt. Ihre Mutter muss in ein Heim. Zudem kündigt ihr der Verlag, der ihre Bücher verlegt, die Zusammenarbeit auf. All das passiert innerhalb kurzer Zeit. Während ihr Ex-Mann das bisher gekannte Leben in neuer Besetzung einfach wiederholt, geht Nathalie mit den plötzlichen Veränderungen offen und kraftvoll um. Sie hat keine vorgefertigte Antwort auf die Frage, wie es nun weitergeht und wie ein gutes Leben jetzt aussehen könnte, sondern begibt sich aktiv auf die Suche.

Mia Hansen-Løves Film, der auf der Berlinale in Berlin 2016 den Silbernen Bären für die beste Regie gewann, zeigt eine Frau, die einen Weg zu sich selbst sucht und findet. Der zurückhaltend inszenierte Film ist dabei sehr humorvoll. Isabelle Huppert spielt sehr überzeugend die Hauptrolle.

Der Film wurde mit dem Prädikat wertvoll ausgezeichnte (Pressetext und Jury-Begründung)

Paterson

Mittwoch, 31. Mai, 18.00 und 20.30 Uhr

USA 2016; Regie: Jim Jarmusch; Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Rizwan Manji, Barry Shabaka Henley, Masatoshi Nagase; FSK: o. A.; 123 Minuten

Auch das ist Amerika: »Paterson«, Jim Jarmuschs wunderbar lyrischer Film über einen Busfahrer in der Provinz. Jarmusch hat nie aufgehört, nach der Escape-Taste zu suchen. Wie kommt man raus: aus der Kulturindustrie, der Warenökonomie, der formierten Gesellschaft? Er selbst flüchtete sich aus diesem Dilemma in verschiedenste Filmgenre – den Western, den Samurai-Film und den Thriller. Zuletzt, in Only Lovers Left Alive, wählte er unsterbliche Vampire, die altmodischen Hobbys nachgingen – Lieben, Lesen, analoge Musik – und nichts mehr scheuten als das Licht der Konsummoderne. Mit Paterson hat Jarmusch es sich richtig schwer gemacht: Das ist ein Film ohne Hinterausgang, der im Hellen unter ganz normalen Menschen spielt – Arbeitern, Hausfrauen, Schulkindern. Leuten, die auf den ersten Blick keine Geheimnisse haben und deren Leben nicht mal auf der Realismus-Skala besonders interessant erscheint.

Der Film zeigt sieben Tage aus dem Leben von Paterson, einem Busfahrer in der Stadt Paterson in New Jersey. Er lebt mit seiner Frau Laura und der Englischen Bulldogge Marvin in einem kleinen Haus. Während Paterson ein gutmütiger und ziemlich ruhiger Mann ist, wirkt Laura meist rastlos. Sie hat stets neue Pläne für ihre berufliche Zukunft. Einmal will sie Musikerin werden, dann wieder eine Cupcake-Bäckerei eröffnen. Während Laura ihre kreative Ader im Dekorieren der Wohnung auslebt, widmet sich Paterson der Poesie. Laura versucht ständig ihren Mann zu überreden, seine Gedichte zu veröffentlichen, doch dem liegt nichts daran. Die Tage Montag bis Mittwoch verlaufen ziemlich gleichförmig. Am Donnerstag bleibt Patersons Bus mit einer Panne stehen. Am Sonnabend hat Paterson dienstfrei. Seine Frau und er gehen Essen, danach ins Kino. Als sie nach Hause kommen, hat Marvin sein Notizbuch mit all seinen Gedichten zerfetzt. Am ebenfalls dienstfreien Sonntag bricht Paterson etwas niedergeschlagen zu einem Spaziergang auf. Am Wasserfall der Stadt wird er von einem poesie-begeisterten Japaner angesprochen, der auch selbst dichtet. Gefragt, ob er auch ein Dichter sei, zögert Paterson, bis er schließlich verneint; er sei nur ein Busfahrer. Trotzdem schenkt der Japaner ihm ein Notizheft für seine Gedanken.

Von der Anordnung der Buchstaben auf einer Streichholzschachtel, die Paterson bedichtet, bis zu den Geschichten, die sich die Pendler im Bus erzählen, ist der Film von Mustern, Reimen und Korrespondenzen geprägt und feiert damit, was man im digitalen Zeitalter schon fast verloren glaubte, nämlich die Kunst des Handelns im Alltag und die Kreativität der Einzelnen. Es ist ein Film der alltäglichen Dinge, ohne nennenswerte Ereignisse, ohne Aggression, ohne Gewalt auf den nächtlichen Straßen, wie man sie aus dem Amerika der letzten Monate kennt, nicht mal besonders viele Menschen gehen dort. Jarmusch hat einen Film geschaffen, in dem es nicht ums Erzählen, sondern ums Beobachten geht und der die Materialität und Schönheit des geschriebenen Worts und das Schreiben als Action zelebriert, was im Zeitalter der permanenten Blockbuster-Übersteigerung und -Überforderung selten ist.

Mit dem minimalistisch aufspielenden Adam Driver und der nicht minder brillanten Iranerin Golshifteh Farahani hat sich ein Paar gefunden, dass die eheliche Harmoniesucht mit grandiosem Partner-Ping-Pong charmant absurd auf die Spitze treibt, ohne dabei je zu nerven. Große Konkurrenz erwächst dem Duo freilich durch die leinwandpräsente Bulldogge Marvin. Beim Festival von Cannes wurde das possierliche Tier prompt mit der Spaß-Palme Palm Dog Award als Bester Filmhund gekürt.

Der Schamane und die Schlange

Mittwoch, 24. Mai, 18.00 und 20.30 Uhr

Kolumbien/Venezuela/Argentinien 2015; Regie: Ciro Guerra; Darsteller: Jan Bijvoet, Brionne Davis, Nilbio Torres; FSK: 12 Jahre; 124 Minuten

Anfang des 20. Jahrhunderts: Karamakate ist ein Schamane eines indigenen Stammes im Amazonasgebiet. Er soll den deutschen Forscher Theodor Koch Grünberg heilen, der ohne die richtige Medizin sterben wird – weswegen sich der Schamane auf die Suche nach der geheimnisvollen Yakruna-Pflanze macht. 30 Jahre später wird Karamakate vom amerikanischen Biologen Richard Evans Schultes besucht, der die Yakruna-Pflanze ebenfalls finden will. Gemeinsam gehen beide auf eine Reise in das Herz des Amazonas, auf der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinanderfließen. Karamakate und Richard Evans Schultes tauchen tiefer und tiefer ins Dickicht ein. Sie werden mit den Mysterien einer fast vergessenen Kultur konfrontiert – und mit den Schrecken der Kolonialisierung…

»Der Schamane und die Schlange« basiert frei auf den Reisetagebüchern des deutschen Anthropologen Theodor Koch-Grünberg, der zwischen 1903 und 1915 das Amazonasgebiet erforschte. Im Film begibt er sich mit einem ehemaligen Sklaven und einem jungen, stolzen Schamanen namens Karamakate auf eine Flussfahrt ins Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Brasilien. Er will die Eingeborenen studieren, vor allem aber mittels einer legendären Pflanze seine Erkrankung heilen.

Die zweite Handlungsebene spielt 40 Jahre später und ist an die Amazonasexpeditionen des amerikanischen Ethnobotanikers Richard Evans Schultes angelehnt, auch er ein Suchender in einer ihm fremden Welt. Guerra verwebt die beiden Zeitebenen auf kunstvolle Weise. Durch wiederkehrende Motive und identische Situationen lässt er die Wege der zwei Forscher zu einer meditativen Reise verschmelzen. (epd)

Wir sind Juden aus Breslau

Mittwoch, 17. Mai, 18.00 und 20.30 Uhr

Dokumentarfilm D 2016; Regie: Karin Kaper und Dirk Szuszies; ProtagonistInnen: Abraham Ascher, Esther Adler, Gerda Bikales, Eli Heymann, Renate Lasker-Harpprecht, Anita Lasker-Wallfisch , Walter Laqueur, Guenter Lewy, Wolfgang Nossen, Max Rosenberg, Pinchas Rosenberg, Morderchai Rotenberg, Fritz Richard Stern, David Toren sowie eine deutsch-polnischen Jugendgruppe aus Bremen und Wrocław; Prädikat: wertvoll; FSK: ab 12; 108 Minuten

Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, und fühlten sich in Breslau beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Die Überlebenden bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Der Film schlägt eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Ein Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa. Ein Film, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt.

Regisseurin Karin Kaper wird in Sinsheim zu Gast sein und im Anschluss an den Film für Rückfragen und Diskussion zur Verfügung stehen.

Pressetext und Jury-Begründung der Filmbewertungsstelle

Ein Lied für Nour

Mittwoch, 10. Mai, 18.00 und 20.30 Uhr

Palästina/GB/Katar/NL/Vereinigte Arabische Emirate 2015; Regie: Hany Abu-Assad; Darsteller: Tawfeek Barhom, Ahmed Al Rokh, Hiba Attalah, Kais Attalah, Abdel Kareem Barakeh, Ahmad Qassim; Prädikat: besonders wertvoll; FSK: ab 12; 100 Minuten

2005 gründen Mohammed, seine Schwester Nour und zwei Freunde im Gazastreifen eine Band, mit der sie bei Familienfeiern auftreten. Die aufgeweckte Nour glaubt fest daran, dass sie eines Tages groß rauskommen und die Welt verändern werden. Doch das Leben in Gaza ist hart. Um ihre Band zu finanzieren, verkaufen die Kinder am Strand gegrillten Fisch und müssen doch mit improvisierten Instrumenten hantieren. Als Nour an einem Nierenleiden stirbt, scheint der Traum beendet zu sein. Sieben Jahre später hofft Mohammed als Student und Taxifahrer weiterhin auf eine Gesangskarriere. Seine Chance kommt mit dem letzten Vorsingen für die Castingshow Arab Idol in Kairo. Im Andenken an Nour reist der 23-Jährige illegal nach Ägypten, erkämpft sich einen Platz auf der Kandidatenliste und inspiriert die Menschen im Nahen Osten. Der zweifach Oscar-nominierte Filmemacher Hany Abu-Assad adaptiert die wahre Geschichte nun als unterhaltsames Wohlfühl-Biopic mit gesellschaftskritischen Untertönen, das an Originalschauplätzen im Gazastreifen gedreht wurde.

Der Film wurde von der Filmbewertungsstelle ausgezeichnet mit dem Prädikat besonders wertvoll. Die Begründung der Jury und den Pressetext finden Sie hier.

Ich, Daniel Blake

Mittwoch, 3. Mai, 18.00 und 20.30 Uhr

Großbritannien 2016; Regie: Ken Loach; Darsteller: Dave Johns, Hayley Squires, Micky McGregor, Mick Laffey, Sharon Percy, Briana Shann; FSK: ab 6; 100 Minuten

Der Film wird von Wut angetrieben und erzeugt Wut – über ein ungerechtes Sozialsystem, das Menschen zum Opfer behördlicher Willkür macht. Im Mittelpunkt steht der Zimmermann Daniel Blake. Er hat sein Leben lang hart gearbeitet, bis er im gesetzten Alter einen Schlaganfall erleidet, von dem er sich nut langsam erholt. Doch nun gerät er in die Mühlen des sogenannten Sozialstaats. Der Arzt verbietet ihm zu arbeiten, das Arbeitsamt will Bewerbungen sehen oder die Bezüge streichen. Daniel tut sich mit einer alleinerziehenden Mutter zusammen, die Ämterschikane aus eigener Erfahrung kennt. Die solidarische Schicksalsgemeinschaft verzweifelt fast an der absichtlichen Ineffizienz der kafkaesken Bürokratie.

Der Film ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Menschlichkeit und erzielt mit einfachsten Mitteln die größte Wirkung. Gedreht hat Ken Loach u.a. an echten Tafeln, an denen die Hungernden Schlange stehen. So gelingt ihm einmal mehr ein Film von hoher politischer Relevanz und Aktualität. Der Film brachte ihm in Cannes 2016 seine zweite Goldene Palme.

Tangerine L.A.

Mittwoch, 26. April, 18.00 und 20.30 Uhr

USA 2015; Regie: Sean Baker; Darsteller: Kitana Kiki Rodriguez, Mya Taylo, James Ransone, Karren Karagulian, Mickey O’Hagan, Alla Tumanian; FSK: ab 16; OmU; 87 Minuten

Weihnachten auf dem Straßenstrich in Los Angeles. Die stürmische Transsexuelle Sin-Dee Rella hat gerade eine Gefängnisstrafe für ihren Zuhälter abgesessen. Kaum aus dem Knast steckt ihr Alexandra, dass ihr Freund und Zuhälter Chester sie mit einer echten Frau betrogen haben soll. Sin-Dee tickt aus und will Chester zur Rede stellen – mit dem Beweisstück im Schlepptau! Zusammen mit ihrer besten Freundin jagt sie durch die Straßen von Hollywood, um die beiden Missetäter in Los Angeles‘ abenteuerlicher Transgender-Szene zu finden…

Schwindelerregende Wortgefechte unter glutrotem Himmel – »Tangerine L. A.« ist eine wilde und brutal ehrliche Screwball-Comedy mit Herz. Regisseur Sean Baker entdeckte seine Hauptdarsteller während der Recherche auf der Straße und nahm ihre Geschichten mit in das Drehbuch auf. Nur mit einem iPhone und einem anamorphotischen Objektiv schuf er eine rasante Komödie mit genauem Blick für soziale Milieus, die im Hollywood-Mainstream allenfalls noch als Nischenphänomene repräsentiert sind. »Tangerine L. A.« lief auf dem Sundance Filmfestival und zeigt große Kinobilder – ein kraftvolles, fiebriges und raues Filmfeuerwerk mit Bildern, die leuchten wie ein radioaktiver Sonnenuntergang.